Gerlinger Anzeiger, 09. Februar 2005

Ein Blockflötenkonzert der Superlative
Ensemble "Von Dü" zu Gast in der Jugendmusikschule


Von Tommasi

Blockflöten kennt man üblicherweise als Einsteigerinstrument für Kinder. Damit hatte das Konzert vergangene Woche in der Jugendmusikschule Gerlingen aber überhaupt nichts gemein. Das Ensemble "Von Dü" entführte die Konzertbesucher in eine ganz besondere Klangwelt.

"Wir haben für das heutige Konzert Stücke aus verschiedenen Jahrhunderten ausgewählt", begrüßt Wiltrud Trumpp die Konzertbesucher in der Aula der Jugendmusikschule. Von der Renaissance über das Barock bis in die Moderne reichte das Spektrum, wobei den Auftakt das "Concerto c-moll" von Joseph Bodin de Boismortier machte. Ein sehr getragenes Stück, das den vier Musikern des Ensembles viel Virtuosität abverlangte. "Joseph Bodin de Boismortier war ein Komponist, der die Blockflöte sehr liebte", erklärte Trumpp dem Publikum. Über die Hälfte seiner Kompositionen habe er für Blockflöte geschrieben. Diesem virtuosen Auftakt folgten vier Kompositionen aus der Renaissance, allesamt sehr lebhafte und fröhliche Stücke. Das besondere an diesen Renaissance-Stücken war die Besetzung. Von der Piccoloflöte über Sopran, Alt, Tenor und Bass bis zum Groß- und Subbass kamen die verschiedensten Blockflöten zum Einsatz. Alle Flöten gibt es in zwei Stimmungen", erläuterte Ensemblemitglied Achim Dannecker, "in der hohen Stimmung mit 440 Hz und in der tiefen, klassischen Stimmung mit 415 Hz".

Nach dem Ausflug in die Renaissance wurde es in der Aula mit Bob Carletons "Ja-Da" dann zeitgenössisch. In den Erläuterungen zu dem Stück sei zu lesen, dass es zum Mitjubeln, Tanzen und Springen anregen soll", hielt Susanne Godel vorab fest. Ein Anspruch, dem der beschwingte Vortrag allemal gerecht wurde. Bei Carletons Komposition dürfte auch so mancher Konzertbesucher ein ganz besonderes Aha-Erlebnis gehabt haben, denn kurz gestoßene Töne werden die wenigsten schon einmal von einer Blockflöte gehört haben. Ein weiterer Höhepunkt im Programm war das "Concerto a-moll" von Georg Philipp Telemann. Der in Magdeburg geborene Meister der Barockmusik hat mit diesem Flötenkonzert einen besonderen Hörgenuss geschaffen. Das Ensemble "Von Dü" setzte dieses Meisterwerk perfekt in Szene.

Was dann folgte, war ein musikalischer Leckerbissen der besonderen Art. Beethovens "Für Elise" transformiert in einen Tango und vorgetragen auf vier Flöten. Das Stück wurde eigens für einen holländischen Klassiksender geschrieben, der "Für Elise" zu seiner Erkennungsmelodie auserkoren hatte. "Der Tango für Elise war eine von vielen Variationen über dem Original", erläuterte Ensemblemitglied Katrin Vinçon. Wie groß die musikalische Klangbreite der verschiedenen Flöten ist, wurde bei Giovanni Maria Trabacis "Cancon francesa cromatica" deutlich. Bei geschlossenen Augen konnte man in der Tat glauben, eine Orgel sei in der Aula der Musikschule aufgestellt worden.

Mit Indian Summer, geschrieben von Matthias Maute, setzte das vierköpfige Ensemble schließlich einen fulminanten Schlusspunkt. Nicht genug, dass die Musiker ihren Instrumenten die "hellsten Flötentöne" entlockten, zudem betätigten sie sich auch noch mit Händen und Füßen als Percussionisten. Mit diesem "Schlussakkord" wurde der Abend vollends zum Blockflötenkonzert der Superlativen. Zu Recht ernteten die vier Musiker für dieses sehr abwechslungsreiche Programm viel Beifall und belohnten die Zuschauer im Gegenzug mit gleich zwei Zugaben.

"Blockflöten hört man in der Vielfalt nicht so oft", zeigte sich der Leiter der Jugendmusikschule Hans Heinrich Hartmann nach dem Konzert begeistert. "Ich selbst habe bisher erst zwei Mal eine Subbassflöte gehört". Für die Zuhörer sie sicher auch etwas Neues dabei gewesen. Mit diesen Worten bedankte er sich bei den Musikern und überreichte ihnen einen Blumenstrauß.

Wer diesen Hörgenuss in der Musikschule verpasst hat, kann sich auf einige weitere musikalische Highlights in den nächsten Wochen freuen. Im März ist ein weiteres Konzert geplant. "Allerdings ist noch nicht alles in trockenen Tüchern", so Hartmann. Man darf also noch gespannt sein, was die Musikschule dem Publikum dann präsentiert. Klar ist auf jeden Fall, dass am 17. März um 18:30 Uhr (R. Bogzan - Violine), am 01. April um 16 Uhr (J. Kühnel - Klavier und K. Melheritz - Violine) und am 13. Mai um 16 Uhr (R. Bogzan - Violine) Klassenvorspiele in der Jugendmusikschule stattfinden.

"Gäste sind dazu recht herzlich eingeladen", so Hartmann. Am 2. Juli wird dann wieder der traditionelle Tag der offenen Tür stattfinden.